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Gedanken & Alltag · 28. Oktober 2026 · Von Tamara Hibler

Make meditation sexy. (Again.)

Warum ich Präsenz so attraktiv finde. Und was Meditation damit zu tun hat.

Ganz ehrlich: Ich finde es sexy, wenn jemand da ist.

Wenn ich mit einem Menschen am Tisch sitze und merke: Der hört mir gerade wirklich zu. Kein Blick aufs Handy. Kein Warten auf die eigene Gelegenheit zu reden. Eine Frage, die zeigt, dass das, was ich gesagt habe, angekommen ist.

Das hat etwas. Diese Aufmerksamkeit. Dieser Blick. Dieses Gefühl, dass gerade niemand woanders sein muss.

Für mich ist genau das sexy. Und deshalb finde ich: Meditation darf ein anderes Image bekommen.

Präsenz ist attraktiv. Punkt.

Wir reden viel über Ausstrahlung. Über Kleidung, Körper, Auftreten. Alles schön. Aber mich interessiert auch, wie es sich anfühlt, mit jemandem in einem Raum zu sein.

Kann die Person einen Moment stehen lassen? Kann sie zuhören, ohne sofort alles auf sich zu beziehen? Merkt sie, was gerade in ihr passiert?

Ich mag Menschen, die aware sind. Die sich selbst mitbekommen. Die auch mal sagen können: „Ich bin gerade aufgewühlt. Lass mich kurz sortieren.“ Ich finde, darin steckt ziemlich viel Stärke.

Und ja, auch Anziehung. Weil da jemand Verantwortung für sich übernimmt. Weil ich das Gefühl habe, einem Menschen zu begegnen, der sich selbst kennt und trotzdem neugierig bleibt.

Mit dem Körper hier. Mit dem Kopf schon bei morgen.

Kennen wir wahrscheinlich alle. Das Gespräch von gestern läuft zum vierten Mal im Kopf. Gleichzeitig planen wir den nächsten Tag. Dazwischen beantworten wir eine Nachricht und fragen uns, warum wir uns so wenig verbunden fühlen.

Ich kenne das auch. Dieses innere Weiter, weiter, weiter. Du sitzt zwar da, aber eigentlich bist du schon drei Situationen voraus.

Und manchmal bekommt das Umfeld die ganze Unruhe ab: die knappe Antwort, das Unterbrechen, diese Ungeduld, obwohl die andere Person gerade gar nichts dafür kann.

Stress gehört zum Leben. Niemand muss sich dafür auch noch unattraktiv fühlen. Ich finde nur: Wir dürfen genauer hinsehen, was wir mit unserem Stress machen. Und ob wirklich jeder um uns herum ihn mittragen muss.

Ich finde es sexy, wenn jemand da ist. Wirklich da.

Was Meditation mit dieser Ausstrahlung zu tun hat

Für mich beginnt Meditation damit, zu bemerken, wo ich gerade bin. Was beschäftigt mich? Wie sitze ich hier? Bin ich noch bei meinem Atem oder diskutiere ich innerlich längst mit jemandem?

Die Gedanken wandern. Ich bemerke es. Ich komme zurück. Manchmal gefühlt hundertmal.

Genau dieses Zurückkommen interessiert mich. Auch außerhalb der Meditation. Im Gespräch. Beim Essen. Bei einer Berührung. Wenn jemand, den ich mag, vor mir steht und ich diesen Moment tatsächlich erleben möchte.

Ich möchte spüren, dass ich da bin. Mein Leben passiert schließlich währenddessen.

Deshalb gehört Meditation für mich mitten ins Leben. Zwischen Termine, Beziehungen, Entscheidungen und all das, was uns bewegt. Wer sich für die Forschung dazu interessiert, findet in meinem Beitrag über Meditation und Stress einen genaueren Blick auf aktuelle Studien. Hier geht es um etwas Persönlicheres: um die Art, wie ich Menschen begegnen möchte.

Du darfst Feuer haben. Und bei dir bleiben.

Ich will lachen, diskutieren, Lust auf Dinge haben. Ich mag Energie. Leidenschaft. Menschen, die etwas wollen.

Präsenz bedeutet für mich, das alles bewusst zu erleben. Zu merken, wann ich aus Begeisterung rede und wann ich nur Stille füllen will. Wann ich wirklich Ja meine. Wann ich eine Pause brauche.

Ich habe wenig Interesse daran, nach außen tiefenentspannt auszusehen, während es innen kocht. Mich interessiert der ehrliche Kontakt zu mir selbst. Auch an den Tagen, an denen der ziemlich unordentlich ist.

Niemand wird durch Meditation automatisch zum entspannten Traumpartner. Aber sich selbst kennenlernen zu wollen? Sich Zeit dafür zu nehmen? Das finde ich verdammt attraktiv.

Meditation anfangen: ein Moment, der dir gehört

Du kannst klein anfangen. Setz dich bequem hin. Leg das Handy zur Seite. Spür den Kontakt zum Stuhl oder zum Boden. Nimm ein paar Atemzüge wahr, so wie sie gerade kommen.

Wenn du abschweifst, kommst du zurück. Du brauchst daraus kein weiteres Projekt zu machen, in dem du gut sein musst.

Vielleicht übst du es heute auch mitten in einem Gespräch: das Handy weglegen, die andere Person ansehen, zuhören. Und die Antwort erst entstehen lassen, wenn sie fertig gesprochen hat.

Für mich steckt darin viel von dem, worum es geht.

Make meditation sexy. (Again.)
Mehr Aufmerksamkeit füreinander. Mehr Gespür für uns selbst. Mehr von diesem Leben tatsächlich mitbekommen.